
Um die Welt in Konstanz – Abschlussveranstaltung
Als unsere Lehrer und Schüler am Abend des 22. November zum ersten Mal den 800 Plätze fassenden Saal im Bodensee-Forum betraten, lag bereits eine Atmosphäre der Herzlichkeit und Vorfreude in der Luft. Die Abschlussveranstaltung von „Um die Welt in Konstanz“ verwandelte diese Stadt erneut in einen Mikrokosmos des globalen Dorfes – der Saal war fast bis auf den letzten Platz gefüllt, und die Gesichter unterschiedlichster Herkunft wirkten im sanften Licht besonders lebendig. Dass unsere chinesische Schule erneut eingeladen wurde, hier die Bühne zu betreten, erfüllt uns nicht nur mit Ehre, sondern vor allem mit Dankbarkeit.
Unser besonderer Dank gilt den engagierten Mitarbeitern des K9 Kulturzentrums und dem interkulturellen Team aus Konstanz. Vom jungen Mann, der während der Proben geduldig an Licht und Ton feilte, bis hin zur jungen Frau hinter der Bühne, die mit ihrem warmen Lächeln die Kinder beruhigte – was wir hier erlebten, war nicht nur eine Veranstaltung, sondern eine wertvolle Plattform, die die vielfältigen Gemeinschaften Konstanzs wahrhaftig „ins Licht rückt“. Hier ist Kultur kein statisches Ausstellungsstück, sondern eine lebendige, atmende Wärme, die geteilt werden kann.
Wir haben erneut die historische Theateraufführung präsentiert, die bei der „China-Nacht“ so großen Anklang gefunden hatte. Der Unterschied bestand diesmal darin, dass wir die Moderation unseren älteren Schülern anvertraut haben. Der Junge, der im Unterricht normalerweise etwas schüchtern ist, stand mit dem Mikrofon in der Hand am Bühnenrand. Als er „Qin Shi Huang“ vorstellte, klang seine Stimme klar und fest, ohne auch nur einen Hauch von Nervosität.
Im Scheinwerferlicht wurden heute Abend nacheinander Gestalten, die den Seiten der Geschichte entsprungen schienen – Qin Shi Huang, der Erbauer der Chinesischen Mauer; Wang Zhaojun, die ihre Pipa umklammerte; Li Bai, der seinen Becher dem Mond entgegenhob; sowie Kaiser Qianlong und Kaiserin Xiaoxianchun in ihrer königlichen Pracht – an die Ufer des Bodensees eingeladen. Es gab keine aufwendigen Kulissen, doch als „Li Bai“ Verse auf Chinesisch vortrug, gefolgt von einer sanften Erklärung auf Deutsch durch den studentischen Moderator, beugten sich viele Zuschauer, die zuvor in ihren Stühlen zurückgelehnt gesessen hatten, unwillkürlich nach vorne. In diesem Moment war die chinesische Geschichte nicht mehr nur ein schweres Kapitel aus dem fernen Osten; sie verwandelte sich in die greifbaren Klänge und Bilder genau dieses Ortes, genau dieser Nacht.
Als das Programm zu Ende ging, klang der Applaus noch lange nach. Wir dachten bei uns, dass dies vielleicht bedeutet, was es heißt, wenn Kultur wirklich nachhallt – nicht durch die bloße Vermittlung von Wissen, sondern indem Fragmente aus einer anderen Zeit und einem anderen Ort sich sanft in den Alltag von Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund einflechten und heute Abend Teil ihrer Erinnerungen werden. Wenn Geschichte jungen Stimmen anvertraut wird, um auf so lebendige Weise erzählt zu werden, findet sie ganz natürlich einen Weg, sowohl mit der Gegenwart als auch mit der fernen Vergangenheit in Resonanz zu treten.
Abschließend möchten wir den Veranstaltern dafür danken, dass sie der chinesischen Schule diese Gelegenheit geboten haben. Was sie geschaffen haben, ist nicht nur eine Bühne, sondern eine Reihe unsichtbarer Brücken – die es Menschen, die zwar in derselben Stadt leben, aber vielleicht noch nie miteinander gesprochen haben, ermöglichen, endlich die gemeinsame menschliche Wärme in einer Melodie, einer Gedichtzeile oder einem Lächeln zu erkennen. Dieses Bestreben, Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund auf sanfte Weise miteinander zu verbinden, bewegt und inspiriert uns tiefer als jede Aufführung an sich.


